Shi San Shi - 13 Grundprinzipien (grundlegende Fähigkeiten)

Die Kunst des Yang Taijiquan beruht auf 13 grundlegenden Fähigkeiten (Prinzipien). Diese finden ihre Entsprechung im I Ging, eine der ältesten Schriften der Menschheit, und im Daoismus. Man unterteilt hier in 8 Pforten, die jeweils mit den 8 Trigrammen in Verbindung stehen und den 5 Schrittarten, die ihre Entsprechung in den 5 Wandlungsphasen finden. Das Taiji, als den allem übergeordneten Prinzip, findet das erste Mal Erwähnung im I Ging, dem Buch der Wandlungen. Es beschreibt die völlige Einheit der sich "bekämpfenden" Kräfte Yin und Yang. Das Yin wird im I Ging durch eine unterbrochene Linie dargestellt, das Yang durch eine vollständige Linie. Durch die Interarktion dieser beiden Kräfte entsteht Energie, aus der alle Manifestationen des Universums entstehen. Um die energetischen Anteile von Yin und Yang in diesen Manifestation und Kräften zu veranschaulichen, kombinierte man die beiden Linien zu 8 Trigrammen (jeweils aus drei Linien bestehend). Die drei Linien symbolisieren die Dreiheit von Himmel, Erde und Mensch. Der Mensch stellt den Mittler zwischen Himmel und Erde dar und wird durch den mittleren Strich symbolisiert.

Kun - Erde / Gen - Berg / Kan - Wasser / Xun - Wind / Zhen - Donner / Li - Feuer / Dui- See / Qian - Himmel

 

Die Bewegung der Yin und Yang zugeordneten Dinge erschaffen den Raum und somit die Dreidimensionalität. Durch die Bewegung im Raum entsteht die Zeit. Die Anordnung der Trigramme sagt etwas über die Bewegung von Chi aus. Die ursprüngliche Anordnung der Trigramme nennt man den "frühen oder vorgeburtlichen Himmel". In ihm stehen sich die Kräfte von Himmel und Erde, Feuer und Wasser, Donner und Wind, See und Berg einander gegenüber, ergänzen sich und heben sich so gegenseitig auf. Dabei entsteht keine Bewegung des Chi´s. Es beschreibt also einen vorgeburtlichen Zustand in dem sich die Dinge noch nicht manifestiert haben.

Im "späten oder nachgeburtlichen Himmel" sind die 8 Trigramme nach den 5 Wandlungsphasen geordnet. Der erregende Impuls des Donners erzeugt den Schöpfungsimpuls, der Wind treibt die Chi Entwicklung voran, im Feuer kommt sie zur Reife, der See und der Himmel verdichten das Chi (Wandlungsphase Metall) bis es im Wasser zur Ruhe kommt. Die Trigramme Erde und Berg sind der Wandlungsphase Erde zugeordnet. Sie stehen sich im "späten Himmel" diagonal gegenüber und bilden die Achse der Wandlungen. Am Trigramm des Berges wandelt sich das aufnehmende, ruhende Yin ins erregende, schöpferische Yang des Donners. Im Bereich der Erde, nach der höchsten Reife wandelt sich das Yang und sinkt, bis es sich im See zu komprimieren beginnt.

 

vorgeburtlicher Himmel                                    nachgeburtlicher Himmel

 

Ba Men (8 Pforten)

Peng Jin (Qian, Himmel) bedeutet anschwellende, ausbreitende Kraft. Es ist die Grundenergie des Taijiquan sowie des Universums, die sich durch ihre Ausdehnung kennzeichnet. Peng Jin ist eine primäre Yang Energie und muss in jeder Bewegung enthalten sein. Es ist zu vergleichen mit der Kraft, die einen Ball, der unter Wasser gedrückt wird, wieder zurück wirft, oder die Ausdehnung eines aufgepumpten Reifens. Ohne Peng Jin gibt es kein Taijiquan. Diese Energie schützt den Körper wie eine Pufferzone, weil durch sie das Wei Chi, die Abwehrenergie aktiviert wird, die in der Traditionellen Heilkunst auch vor pathogenen Faktoren wie Wind, Kälte und Hitze schützt. In den Schriften sagte man, das die Arme eines Taiji Adepten, wie in Watte gepackter Stahl sind. Das ist auf Peng Jin zurückzuführen.

Lü Jin (Kun, Erde) bedeutet zurückrollende, zurückziehende Kraft. Lü Jin ist eine reine Yin Energie. Sie hat den aufnehmenden, absorbierenden Charakter der Erde. Durch Lü Jin kann man einen Angriff ins Leere laufen lassen. Für einen Gegner ist es, wie das Einrennen einer Tür. Doch kurz vor dem Zusammentreffen mit der Tür, wird sie geöffnet. Lü Jin ist für das Taijiquan eine wichtige Energie, da man mit ihr eine große Kraft mit wenig Aufwand neutralisieren und umlenken kann. Sie bringt den Angreifer aus seinem Zentrum und dient somit zur Vorbereitung eines Gegenangriffs. Bei den Meistern dieser Kunst sind die Lü Bewegungen nicht mehr sichbar. Für den Gegner ist es, als würde er versuchen, Wasser mit seinen Händen zu greifen.

Ji Jin (Kan, Wasser) bedeutet vorwärts drängende Kraft. Ji Jin ist eine nach vorne drängende Energie, die unaufhaltsam, wie reißende Fluten eines gebrochenen Staudammes alles mit sich reißt. Wasser findet seinen Weg und ist kompromisslos.

An Jin (Li, Feuer) bedeutet drückende, stoßende Kraft. Bei An Jin wird das Chi direkt aus den Handflächenpunkten (Lao Gong) in den Körper des Gegners projiziert. Die Energie des Feuers ist ausbreitend und vernichtend.

Cai Jin (Xun, Wind) bedeutet abwärtsziehende, entwurzelne Kraft. Cai Jin kombiniert zurückrollende und stoßende Kraft und entwurzelt den Gegner wie ein Hurrikan (Hurrikan kommt aus der Majasprache und heißt Gott des Windes). Die Kraft des Windes entwurzelt die stärksten Bäume.

Lie Jin (Dui, See oder Sumpf) bedeutet spaltende, trennende Kraft. Lie Jin kombiniert anschwellende und vorwärts drängende Kraft. Die angewandte Energie geht bei Lie Jin von einem gemeinsamen Ausgangspunkt in zwei entgegengesetzte Richtungen. Für den Gegner fühlt sich das an, als würde er in einen riesigen Wasserstrudel geraten. Seine Angriffskraft wird von seinem Zentrum getrennt.

Zhou Jin (Zhen, Donner) bedeutet Ellbogenkraft. Zhou Jin ist gewaltig und heftig wie der Donner eines gewaltigen Gewitters, und erschüttert den Gegner bis ins Mark. Die Ellbogentechniken sind im Yang Taijiquan nicht immer offensichtlich, sondern finden sich versteckt in vielen Formenbewegungen wieder.

Kao Jin (Gen, Berg) bedeutet Schulterkraft. Kao Jin, die Schulterenergie, bedeutet für den Gegner gegen einen Felsen zu laufen. Wenn man für Hand und Fußtechniken zu dicht am Gegner steht, kommt die Schulter zum Einsatz. Die Schulter kommt in vielen Übergangsbewegungen vor und ist, wie die Ellbogentechniken, nicht immer sichtbar, doch ihre Wirkung kann verheerend sein.

 

Wuxing - 5 Wandlungsphasen / Wu Bu - 5 Schrittarten

Die Lehre der 5 Wandlungsphasen ist von Bedeutung im Bezug zum Chi, denn sie beschreiben neben Yin und Yang und den 8 Trigrammen, in detailierter Weise den ständigen Wandel der Energie, deren genaue Richtung und zyklische Reihenfolge. Alle Dinge lassen sich in eine der 5 Wandlungsphasen einordnen. Im Taijiquan sind die 5 Wandlungsphasen den 5 Schrittarten zugeordnet.

5 Schrittarten

Jin Bu - Vordringen (Element Feuer)

Tui Bu - Zurückweichen (Element Wasser)

Zuo Gu - nach links  (Element Holz)

You Pan - nach rechts (Element Metall)

Zhong Ding - zentrieren, Zentrum wahren (Element Erde)

 

Das Chi des Holzes (Holz steht hier für jungen Bambus) hat die Eigenschaft, nach oben aufzusteigen. Es representiert die Kraft des Frühlings. Diese Energie bewegt sich entgegen der Schwerkraft und ist daher sehr kraftvoll. Jeder Neubeginn, jede Idee, jede Geburt braucht die Energie der Wandlungsphase Holz, um sich gegen bestehende Kräfte durchzusetzen und sich den Platz zur Entfaltung zu verschaffen. In der chinesischen Philosophie symbolisiert Bambus die Kraft des Holzes. Bambus vereint Festigkeit und Flexibilität. Dieses Chi ist von enormer Wichtigkeit für die positive Gestaltung des Lebens. Ohne sie gibt es keine Entfaltung und Entwicklung.

Das Chi des Feuers ist ausbreitend. Das Feuer representiert die Energie des Sommers und sorgt für Wachstum. Es ist in seiner Qualität sehr fein und flüchtig. Die Kraft des Feuers ist Shen, der Geist und das Bewußtsein. Shen hat seinen Sitz im Herzen und im Blut. Die Energie des Feuers befähigt uns im Hier und Jetzt zu leben und die Dinge mit ganzem Herzen, Hingabe und Aufmerksamkeit zu tun. Die Kraft des Feuers ist die Liebe, nicht nur auf einen Partner bezogen sondern umfassender, ist sie eine der stärksten Energien.

Das Chi der Erde ist zirkulieren. Dieses Chi ist außerdem eine zentrierende Kraft und repräsentiert die Energie des Spätsommers. Sie hält die anderen Energien unter Kontrolle. Das Chi der Erde befähigt zur Transformation und Umwandlung und ist Mittelpunkt aller anderen Energien der 5 Wandlungsphasen. Das Chi verteilt sich von seinem Zentrum aus in alle Richtungen. Es befähigt zum klaren Denken, zur Konzentration und verschafft uns die Fähigkeit über uns selbst zu reflektieren und nachzudenken.

Das Chi des Metalls ist absteigend. Es repräsentiert die Energie des Herbstes. Diese Energie schützt vor Expansion und sinkt, verdichtet und verfeinert sich, und hat bündelnde Eigenschaften. Durch das Chi der Wandlungsphase Metall werden wir befähigt, uns auf das Wesentliche zu besinnen und zu konzentrieren.

Das Chi des Wassers ist nach innen kehrend. Es repräsentiert die Energie des Winters. Im Chi des Wasser - Elements verbergen sich die Kräfte für das Neue. Hier schlummern die verborgenen Fähigkeiten und der Wille zum Leben. Die Energie des Wassers befähigt uns zu starkem Willen und Ausdauer. Im Wasser verbergen sich ungeheure Kräfte. Diese Kräfte lassen die Holz Energie entstehen und der Zyklus des Chi´s beginnt wieder von vorne.

Jede Energie bedingt in diesem Zyklus die Nächste und hat außerdem jeweils eine kontrollierende Funktion auf die Übernächste. Ein Leben im Einklang mit den Wandlungsphasen ist von unschätzbarem Wert für die Gesundheit und die Harmonie von Körper, Geist und Seele. Jedem Element sind auch Organe, Farben, Geschmack usw. zugeordnet. Siehe dazu TCM Grundlagen und chinesische Diätetik.