chinesische Diätetik - Ernährung nach den 5 Elementen

Essen spielt in China eine große Rolle, z.B. in der Begrüßung „Chi fan le, mei you“; was soviel heißt wie: „Haben Sie schon gegessen“? Neben dem Hungerstillen hat die Nahrung auch eine medizinische Wirkung auf den Körper und hat so einen Einfluss auf unser Befinden. Es gibt im Chinesischen keine gesunden Nahrungsmittel, nur passende.


"Ist er Koch oder Arzt?
Ist dies eine Apotheke oder ein Restaurant?

Fisch, Fleisch, Gemüse,
Frühlingszwiebel und Porree.

Köstliche Gerichte
verbannen Tabletten und Pillen,

Nahrhafte Speisen sind das Mittel
gegen alle Leiden."

 

Altes Chinesisches Gedicht

"Wenn man eine Krankheit behandelt, sollte zuerst eine Ernährungstherapie erfolgen!" lehrte der Arzt Sun Si Miao schon im 9. Jahrhundert. Hintergrund ist die Vorstellung, dass Krankheit eine Disharmonie im Fluss des Chi ist, das in den Meridianen durch unseren Körper strömt und das wir aus unserer Nahrung beziehen.

 

Das Gu Chi, wie Chinesen die aus der verdauten Nahrung entstehende Energie nennen, wird im Körper in Blut umgewandelt und nimmt so Einfluss auf alle Organe. Ist dies nicht im Lot, kann es durch die Wahl der richtigen Nahrung reguliert werden. Manche Lebensmittel heben, manche senken das Chi, manche kühlen es, manche erhitzen es.

 

Will man sich gesund ernähren, dann sollte man darauf achten, dass man sich entsprechend der Lehre der 5 Elemente ernährt. So wird jedes Speicherorgan, und damit der entsprechende Funktionskreis ausgewogen mit Chi versorgt.

 

In der chinesischen Ernährungslehre teilt man die Nahrungsmittel anhand der Eigenschaften Temperatur, Geschmacksrichtung und Wirkrichtung im Körper ein.

 

  • Temperatur – heiß, warm, neutral, kühl, kalt

  • Geschmacksrichtung – sauer, bitter, süß scharf, salzig

  • Wirkrichtung – aufsteigend, schwebend, absteigend, fallend

 

 

Wie alles im Kosmos, ist auch unsere Nahrung vom Yin und Yang - Prinzip der Lebensenergie Chi sowie von den fünf Elementen bestimmt. Die Quintessenz der chinesischen Ernährungslehre bedeutet, im Einklang mit den Kräften des Universums zu essen.

In der TCM unterscheidet man nicht zwischen Nahrungsmitteln und Arzneien. Die Grenzen hierfür sind fließend, da jedes Nahrungsmittel medizinisch eingesetzt werden kann, und über eine bestimmte pharmakologische Wirkung verfügt.

Ausnahmen sind denaturierte Nahrungsmittel, die auch keine Lebensmittel mehr sind, da sie über keinerlei Lebensenergie (Chi) mehr verfügen, und der Körper mehr Energie benötigt sie zu verdauen, als er davon an Energie gewinnt. Ist das Chi im Fluss und genügend davon vorhanden, spricht man von Harmonie und Gesundheit. Stagniert es oder liegt ein Mangel vor, treten Beschwerden und Krankheitsbilder auf.

Die Art der Zubereitung hat großen Einfluss auf die Wirkung. So vermehrt z.B. langes Kochen den Chi- Gehalt. Ausgiebig geschmortes Wurzelgemüse wie Karotten oder Kohlrabi wärmen und aktivieren das Erdelement im Körper, also vor allem die Verdauungsorgane. Kurz gekochtes, grünes Gemüse wie Spinat oder Broccoli dagegen entspannt bei Migräne und kühlt bei Beschwerden, die durch "Hitze" entstehen - einer der sechs Faktoren, die aus chinesischer Sicht Krankheiten verursachen. (siehe TCM Grundlagen)

In der chinesischen Ernährungslehre versucht man die Umwandlungskraft der Milz zu fördern. In der Milz wird die vom Magen fermentierte und gereifte Nahrung transportiert und transformiert. In der Milz wird auch das Nahrungs -Chi (Gu Chi) extrahiert und zu Lunge und Herz geführt um Chi und Blut zu bilden. Das Milz – Chi hat eine haltende / hebende Funktion und hält so die Organe an ihren Platz.

 

Thermik

 

Kaltes und Kühles

Zitrus- und Südfrüchte, rohe Tomaten, Gurken, grüner Tee, rohes Obst (Äpfel, Birnen, Weintrauben, Beeren) und Salate, die meisten rohen Gemüsesorten (außer Karotten und Fenchel), viele Milchprodukte, sowie Pfefferminztee haben eine kalte Wirkung auf den Organismus.

Kalte Nahrungsmittel sollten nur im Sommer, und bei schwacher Verdauung oder anderen Beschwerden, nur in gekochter Form zu sich genommen werden. Kühlende Nahrungsmittel erfrischen den Körper. Mit Rohkost kann kein Blut und kein Qi (Lebensenergie) aufgebaut werden. Zum Beispiel nähren rohe Karotten das Blut nicht. Dagegen wirkt Karottensuppe aber blutaufbauend.

Der übermäßige Genuss von thermisch kühlen oder kalten Nahrungsmitteln schwächt den Verdauungstrakt und führt zu Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl, Verstopfung oder Durchfall, sowie in weiterer Folge zu Erschöpfungszuständen, Müdigkeit und Eisenmangel.

Alle kühlenden und kalten Nahrungsmittel können durch Kochverfahren (dünsten, braten, kochen, schmoren, im Backofen backen) und durch wärmende Gewürze in den neutralen oder sogar in den warmen Bereich verschoben werden. Zum Beispiel kühlen rohe Tomaten den Verdauungstrakt aus, aber auf einem Auflauf im Backofen überbacken sind sie neutral und kühlen nicht.

 

Warmes und Heißes

Rindfleisch, Huhn, Karotten, Fenchel, Hafer, Gewürze wie Oregano, Majoran, Basilikum und frischer Ingwer gehören z.B. zu den warmen Nahrungsmitteln. Warme Nahrungsmittel bauen Qi und Blut auf und sollten vorwiegend im Herbst und Winter genossen werden.

Heiße Nahrungsmittel sind vor allem stark wärmende Gewürze wie Zimt, Nelken, Pfeffer, Muskat, Cayenne und Chilischoten, und die so genannten harten Getränke (Schnäpse), aber auch Glühwein durch Zugabe von Zimt und Nelken. Heiße Nahrungsmittel sollten bei Hauterkrankungen und Allergien, sowie bei Migräne vermieden werden, da die Kapillaren erweitert werden. Heiße Nahrungsmittel sollten vor allem im Winter eingesetzt werden, aber nicht zu viel davon, da sie austrocknen können.

Im Sommer können sie als Hilfe zum Schwitzen verwendet werden. Bei zu viel Schwitzen ist Zitronensaft geeigneter, da dieser kühlt und die Säfte im Körper bewahrt.
Die geeignete Ernährungsweise hängt von der individuellen Konstitution, der Jahreszeit und den klimatischen Verhältnissen ab.

 

Neutrales

Neutrale Nahrungsmittel bauen Chi auf und harmonisieren die Energien im Körper, indem sie die Mitte stärken

 

 

die Geschmacksrichtungen

 

In der Chinesische Diätetik haben die 5 Geschmacksrichtungen einen besonderen Einfluss auf den Körper. So wird bei der Auswahl der Nahrungsmittel und Kräuter in der Syndrombehandlung neben der Thermik auch die Geschmacksrichtung miteinbezogen.

 

Der saure Geschmack

Sauer bewahrt die Säfte, zieht zusammen, leitet nach innen und unten, und beeinflusst die Energie der Leber. (Element Holz)

 

Der bittere Geschmack

Bitter leitet nach unten, wandelt Feuchtigkeit um, trocknet aus, regt die Transformation an und beeinflusst die Energie des Herzens. (Element Feuer)

 

Der süße Geschmack

Süß verteilt das Chi in alle Richtungen, nährt und befeuchtet, entspannt, baut Chi auf und beeinflusst die Energie der Milz. Mit süß sind nicht Süßigkeiten gemeint, sondern hauptsächlich das Süß von z.B. Mais, Kartoffeln, Honig usw. (Element Erde)

 

Der scharfe Geschmack

Scharf leitet nach oben und außen, löst Stagnationen von Chi und Blut, wirkt zerstreuend bei Kälte und beeinflusst die Energie der Lunge. (Element Metall)

 

Der salzige Geschmack

Salzig weicht Blockaden auf, leitet nach innen und unten, stützt die Essenz und beeinflusst die Energie der Niere. (Element Wasser)

 

 

"Lasset Eure Lebensmittel Eure Heilmittel sein"

Paracelsus (1493 - 1541)