Grundlagen der Traditionellen Chinesischen Medizin

In der TCM versucht man die verschiedenen Energien im Körper ins Gleichgewicht zu bringen. Hier bilden Yin und Yang das Grundkonzept der TCM genau wie in der chinesischen Philosophie und Weltanschauung. Man unterteilt auch die Organe in Yin und Yang.

Die Yin Organe werden als Zhang oder Speicherorgane bezeichnet. Dazu zählen Leber, Herz, Perikard, Milz, Lunge und Niere.

Die Yin Organe stellen die fünf Grundsubstanzen Chi (Lebensenergie), Xue (Blut), Jing (Essenz), Jin Ye (Körpersäfte)und Shen (Lebensgeist) her und wandeln sie um. Sie regulieren deren Fluss und speichern sie.

Die Yang Organe bezeichnet man als Fu oder Hohlorgane. Dazu zählen Gallenblase, Dünndarm, San Jiao, Magen, Dickdarm und Blase. Sie nehmen die Bestandteile der Nahrung, aus denen die Grundsubstanzen hergestellt werden, auf und spalten sie. Die überflüssigen Nahrungsanteile werden durch sie abtransportiert und aus dem Körper entfernt.

Neben der Yin und Yang Einteilung bedient man sich in der TCM der Lehre von den fünf Elementen oder der 5 Wandlungsphasen.

Die Wechselwirkung von Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser regelt den Ablauf der Naturerscheinungen. Die Beziehungen der Elemente zueinander werden durch zwei Energieströme gekennzeichnet, den Zyklus der Erzeugung und den Zyklus der Kontrolle. Im Erzeugungszyklus bewegt sich das Chi (Lebensenergie) von einem Element zum anderen. Jedes Element bringt das nächste hervor, wird aber dadurch geschwächt. Im Kontrollzyklus fließt das Chi zum jeweils übernächsten Element.

 

  • Wasser erzeugt Holz, kontrolliert Feuer (wenn Holz schwach), erschöpft Metall

  • Holz erzeugt Feuer, kontrolliert Erde (wenn Feuer schwach), erschöpft Wasser

  • Feuer erzeugt Erde, kontrolliert Metall (wenn Erde schwach), erschöpft Holz

  • Erde erzeugt Metall, kontrolliert Wasser (wenn Metall schwach) erschöpft Feuer

  • Metall erzeugt Wasser, kontrolliert Holz (wenn Wasser schwach) erschöpft Erde

 

Konstitutionstypen

Entsprechend den Elementen teilt man in der TCM die Menschen in Konstitutionstypen ein, da jeder eine individuelle Konstitution hat die von Wandlungsphasen bestimmt wird. Oft bestimmen zwei Wandlungsphasen gleichzeitig Körperbau und psychologische Eigenschaften. Diese Einteilung ist sehr hilfreich zum Erstellen einer Diagnose beim Patienten.

Holz – Leber Typ

  • Vital, energiegeladen, Bewegungsdrang

  • Kräftige Muskulatur, sportlich

  • Emotional, leidenschaftlich

  • Wollen dominieren

  • Zorn, Wut

  • Burn- out gefährdet

 

Feuer - Herz Typ

  • Lebendig, verspielt

  • Leuchtend funkelnde Augen

  • Herzlich, mitfühlend, sehr tolerant

  • Anziehende Ausstrahlung

  • Verletzlich, emotionaler Rückzug

 

Erde – Milz Pankreas Typ

  • Robust, rundlich, gut genährt

  • Freundlich, gastlich

  • Neigen zu Übergewicht

  • Denken langsam und konfus

  • Grübeln und sorgen

  • Können schwer Entscheidungen treffen

 

Metall – Lunge Typ

  • Dünn

  • Sensibel, kritische Lebenseinstellung

  • Detailorientiert

  • Introvertiert, unterdrücken Gefühle

  • Erscheinen kühl und distanziert

  • Neigen zu Traurigkeit

 

Wasser – Nieren Typ

  • Groß, breite Schultern, große schwere Knochen

  • Kräftige Konstitution

  • Willensstark, starkes Ich

  • Wenig Bewegung, ruhig, langsam

  • Sehr regenerationsfähig

  • Oft körperlich und psychisch starr

  • Angst lähmt

 

Chi die Lebensenergie

Das Wissen um Chi ist grundlegend in der chinesischen Denkweise. Das Dao erzeugt zwischen den beiden konträren Kräften Yin und Yang ein Spannungsfeld, das die Lebensenergie Chi hervorbringt.

In der chinesischen Weltanschauung ist das Dao der unerkennbare und unnennbare Urgrund allen Seins. Aus dem Dao geht zuerst die Einheit hervor. Die Einheit bringt die Zweiheit, die Zweiheit die Dreiheit und diese bringt schließlich alle Dinge hervor. Die Polarität von Yin und Yang ist der Prozess, durch den das Dao als Lebensenergie Chi in der Welt erkennbar wird. Man stellt sich dabei den Entstehungsprozess der Welt als eine Verdichtung des Chi vor.

 

Aus dieser einheitlichen, alles durchdringenden Energie entsteht Leben, indem sich diese Energie verdichtet. Auch das Leben des Menschen ist nichts anderes als eine Ansammlung von Chi. Alles was lebt, lebt nur durch dieses Chi. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Vorstellung von sehr differenzierten Formen des Chi und auch heute werden verschiedene Arten des Chi unterschieden – aber alle gehen aus dem einen Ursprung hervor. Chi durchzieht alle Erscheinungen der Natur und alle Schichtungen im Menschen. Chi ist das alles einende Band der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Da der Mensch als eine vorübergehende Ansammlung von Chi verstanden wird, wird alles von diesem Chi bestimmt.

 

Von der winzigsten Zelle bis hin zu den größten Galaxien, von atomaren Teilchen bis zur menschlichen Kultur wird alles Leben von Chi erzeugt und erhalten. Chi ist identisch mit dem, was westliche Physiker als Quantenfeld bezeichnen. Wie das Quantenfeld, wird Chi als dünne, nicht wahrnehmbare Form von Materie aufgefasst.Chi ist als kosmische Lebenskraft die gemeinsame Mitte und Grundessenz des ganzen Universums.

 

Sie ist gleichzeitige Ursache und Wirkung und ruht doch ganz und gar in sich selbst. Die alles entscheidende Kraft im Menschen ist das Chi, das von der Geburt bis zum Tod den Menschen bestimmt. Wenn die Lebensenergie frei und ungehindert durch uns hindurchfließt, fühlen wir uns lebendig, ausgeglichen und kraftvoll.

 

Ist diese Energie jedoch blockiert, äußert sich das in unserem Organismus als Müdigkeit, Stress, Antriebslosigkeit und Krankheit. Das Chi durchströmt und beeinflusst sowohl physische, emotionale, spirituelle und intellektuelle Dimensionen. Es haucht der materiellen Welt Leben ein. Körperliches und auch geistiges Wohlbefinden des Menschen hängen mit der harmonischen und ungestörten Zirkulation dieser Lebensenergie zusammen.

 

Therapien, die auf diesem Konzept aufbauen, haben zum Ziel, Energieblockaden zu lösen, Chi zum zirkulieren zu bringen, oder zeigen auch, wie man Chi aus der Luft oder der Nahrung gewinnen kann. Da das Chi das fundamentale Trägerprinzip des gesamten Kosmos ist, ist der rechte Umgang mit dieser Kraft etwas Grundlegendes für den Menschen.

 

Aufgaben des Chi

1.Schutz

  • schützt den Körper vor äußeren pathogenen Faktoren (Wai Chi)
  • erwärmt den Körper und lässt die inneren Organe funktionieren.

  • ernährt den Körper durch das Nähr- Chi. (Ying Chi)

2. Transport

  • bewegt die Nahrung durch den Verdauungstrakt

  • bewegt Blut durch die Gefäße

  • bewegt Flüssigkeiten durch den Körper

3. Kontrolle

  • Schwitzen, Wasserlassen, Stuhlgang

  • Hält das Blut in den Gefäßen.

 

Liu Yin – die sechs Übel

In der TCM unterteilt man in sechs krankmachende Faktoren.

 

  • Wind (Feng) – wird dem Yang zugeordnet, erzeugt Bewegung wo sonst Stille herrscht und bringt das Chi aus seinem gleichmäßigen Fluss. Er kommt selten allein und tritt meistens in Zusammenhang mit Hitze o. Kälte auf. Wind zeigt sich in Fieber, Zugempfindlichkeit, Kopfschmerzen, verschlossene Atemwege und rauen Hals.

 

  • Kälte (Han) – wird dem Yin zugeordnet. Hat man ein geschwächtes Immunsystem reagiert man empfindlich auf Kälte. Kälte manifestiert sich in Frösteln, Fieber, physische Schmerzen. Innere Kälte wird durch Yang Mangel in den lebenswichtigen Organen verursacht

 

  • Hitze (Re) – wird dem Yang zugeordnet. Manifestiert sich häufig im Sommer durch Schweißausbrüche, starker Durst, trockener Zungenbelag, Fieber, rotes Gesicht, Kopfschmerzen

 

  • Feuchtigkeit (Shi) – wird dem Yin zugeordnet. Ein Übermaß an Feuchtigkeit bewirkt kalten Schweiß, steife schmerzende Gelenke und Müdigkeit. Innere Feuchtigkeit zeigt sich durch Druckgefühl in der Brust, Appetitverlust oder Brechreiz und Durchfall, Übergewicht.

 

  • Trockenheit (Zao) – stört die Lungenfunktion. In Verbindung mit Hitze, Kälte, Wind können Atemwegserkrankungen ausgelöst werden. Durch die Verbindung zwischen Lunge und Darm kann Trockenheit die Ursache für Verstopfung sein.

 

  • Feuer (Huo) – bedeutet ein Zuviel an einer der Umweltenergien. Es kann die zwölf lebenswichtigen Organe schädigen. Atemwegserkrankungen die durch Trockenheit verursacht werden, können in Lungenemphyseme oder Lungenkrebs ausarten.

 

Jing Luo – Meridiane

Unter Meridiane versteht man ein Netz von Leitbahnen auf denen die Lebensenergie Chi durch den Körper fließt. Sie sind die Verbindung der einzelnen Akupunkturpunkte. Die zwölf Hauptmeridiane sind den Organen zugeordnet wobei der Dreifache Erwärmer mehrere Organe umfasst. Er ist das Thermostat des Körpers und regelt die Temperatur und die Verteilung des Yuan Chi.

Der Dreifache Erwärmer (San Jiao) ist keinem bestimmten Organ zugeordnet, sondern reguliert in drei Bereichen:

 

  • oberer Erwärmer – Thorax Organe (Herz, Lunge)

  • mittlerer Erwärmer – Oberbauch Organe (Leber, Gallenblase, Milz, Magen)

  • unterer Erwärmer – Unterbauch Organe (Niere, Blase, Dünndarm, Dickdarm)

 

Zusätzlich zu den Hauptleitbahnen gibt es die 8 Wundermeridiane. Sie zählen zu den Nebenmeridianen. Die Nebenmeridiane verbinden die Gebiete zwischen den Hauptleitbahnen und harmonisieren diese.

Zwei dieser Wundermeridiane sind das Lenkergefäß (Du Mai) auf der Rückseite des Körpers, und das Konzeptionsgefäß (Ren Mai) auf der Mittellinie der Vorderseite. Diese beiden besitzen ebenfalls Akupunkturpunkte.

Die restlichen sechs Wundermeridiane setzen sich aus verschiedenen Punkten oder Teilstrecken der Hauptmeridiane zusammen.

Jeder Wundermeridian ist mit einem Schlüsselpunkt der zwölf Hauptmeridiane verbunden. Durch diese Steuerfunktion nennt man diese Schlüsselpunkte auch Meisterpunkte. Diese Meisterpunkte sind bei bestimmten Beschwerden besonders wirksam.