Yang Pai

Ein Ziel unserer Schule ist das Erforschen und Entwickeln Taiji- spezifischer Fähigkeiten, durch Anlehnung an die alten Lehren und Schriften des Yang Shi Taijiquan. Werden die Bewegungen der Form, des Tui Shou und der Anwendungen nach diesen Lehren und Prinzipien ausgeführt, spricht man von Taijiquan. Wer diese Kunst erlernen und verstehen möchte, muss sich auch mit den alten Schriften und der Philosophie des Dao auseinandersetzen. In der Yang Pai sind wir bestrebt die alten Trainingsmethoden dieser Kunst wiederzubeleben, aus den Überlieferungen zu lernen und sie für die heutige Zeit anwendbar zu machen, um die anspruchsvollste aller Kampfkünste zu erhalten. Taijiquan ist keine Entspannungsübung sondern beruht auf alten daoistischen Methoden der Kampfkunst und der Energiearbeit bei denen es um harte Arbeit an sich selbst und das Erwerben echter Fähigkeiten geht (Gongfu). Dabei ist die Gesundung des Körper - Geist Systems das erste Ziel, das man erreichen muss, um ein kontinuierlichen und freien Energiefluss zu erzeugen. Die Langsamkeit der Übung ist nicht das wesentliche Merkmal des Taijiquan als Kampfkunst, sondern eine notwendige Trainingsmethode die das Taijiquan charakterisiert. Würde es nur langsame Bewegungen geben, wäre Taijiquan als Kampfkunst unbrauchbar und würde auch nicht dem Prinzip von Yin und Yang entsprechen.

 

Das Taijiquan, als eine der inneren Kampfkünste, ist eine der evolutionärsten Künste der vergangenen Jahrhunderte. Trotz seiner Jahrtausende alten Grundlagen (I Ging und Daoismus) ist es moderner den je. Auch die moderne Wissenschaft kommt der grundlegenden Energie des Universums Stück für Stück näher. Doch ist das authentische Taijiquan der Wissenschaft weit vorraus, weil es mit den Manifestationen (Jin) dieser grundlegenden Energie, die wir Chi nennen, arbeitet und für sich nutzbar macht. Wir leben in einem Meer von Chi, doch genau wie ein Fisch, der sich des Wassers nicht bewußt ist, können die meisten Menschen diese Energie nicht bewußt wahrnehmen. Die energetischen Künste sind auf dem Vormarsch, weil sie der heutigen Zeit entsprechen und immer mehr Menschen nach den tieferen Sinn ihres Lebens suchen. Das Taijiquan vereint in sich die drei wesentliche Aspekte: Kampfkunst, Spiritualität (Meditation, Philosophie) und Gesundheitspflege (Energiearbeit). Diese drei grundlegenden Aspekte stehen nicht für sich allein, sondern sind eng miteinander verwoben durch Chi. In allen Dreien geht es um die Beherrschung und Kultivierung dieser Energie. Auch im Alltag geht es darum sein Chi zu bewahren und nutzbringend einzusetzen. Schließt man die Ernährung und die Lebensweise mit ein, kommt man zu einem Körper der vor Energie regelrecht pulsiert.

 

Im Taijiquan bezieht man seine Energie aus Himmel und Erde, mit seinen elementaren Kräften. So nehmen wir Yang Chi vom Himmel und Yin Chi aus der Erde auf. Diese beiden Kräfte sind die Grundlage allen Lebens. Die Auseinandersetzung mit den inneren Kampfkünsten stellt eine sehr anspruchsvolle Aufgabe dar. Es geht beim wahren Taijiquan nicht um eine Modeerscheinung einer Wellnessbewegung oder eines Trends. Es geht um die Auseinandersetzung mit dem Selbst, durch Selbstkultivierung des Körpers und des Geistes durch eine Jahrhunderte alte Kunst. Das Taijiquan kann das Leben eines Menschen transformieren, wenn er bereit ist, diesen Weg zu gehen. Es in seiner gesamten Vielfalt zu studieren, heißt die Gesetze des Universums kennenzulernen und somit dem eigenen Leben eine größere Tiefe zu verleihen, die weit über das hinausgeht, was man allgemein als Leben bezeichnet. Wir suchen nach Wegen, diese spirituelle Praxis in den Alltag zu integrieren, denn nicht jeder hat die Möglichkeit ein Leben in Abgeschiedenheit zu führen. Wahre Stille findet man nur in sich selbst. Wir sind bewusste Wesen, durch die Interaktion mit unseren Mitmenschen, der Umwelt und der Polarität. Doch unser Urgrund, dem alles zu Grunde liegt, ist das Dao. Yang Pai soll wie ein kleiner Kieselstein sein, der, wenn man ihn ins Wasser wirft, immer größere Kreise zieht. Es soll allen Schülern als Ruhepol und Quelle der Kraft dienen.